Mittwoch, 11. Februar 2009
Kaigenrei (1973)
shinji, 23:27h
Warum mit dem Schwierigsten anfangen? Vielleicht einfach deshalb, weil es gerade anliegt. Kaigenrei ist der letzte Film in Yoshishige/Kiju Yoshidas Trilogie zu revolutionärem Denken im Japan des 20. Jahrhunderts, und sein letzter für ATG. Der erste ist Erosu purasu Gyakusatsu (Eros plus massacre, 1969), der zweite Rengoku eroica (Heroic Purgatory, 1970).
Die wenigen Informationen, die ich zu Yoshida im Allgemeinen und Kaigenrei im Besonderen finde, entnehme ich 1ATG und 2Desser. Der Film ist mitunter einer der komplexesten, die ich gesehen habe, und das nicht nur, weil die zentrale Figur Kita Ikki eine schwer greifbare Position einzunehmen scheint, sondern auch weil die historischen Vorgänge in der dargestellten Zeit und die Umstände und Motive, die mutmaßlich zur Entstehung des Films geführt haben müssen, vielschichtig und komplex sind. Aus diesem Grund kann zum Beispiel Desser zu der These gelangen, das die letztendliche Enttäuschung des jungen Soldaten über seinen Sinnstifter emblematisch für die Enttäuschung der Nugeru Bagu Generation über die Älteren steht.
Hinzu kommt noch eine zwischenmenschliche Ebene, in der die Liebe zu Vaterland, (geistigem) Führer, Frau und Kind bis zur Untrennbarkeit miteinander verquickt werden. Abgerundet wird der Cocktail mit großartig irritierenden Bildern und einem ebensolchen Score.
Als Stilmittel befinden sich häufiger Personen im Bild, die nur als stumme Zeugen fungieren, und die die Befremdlichkeit der agierenden Person noch steigern.
Die wenigen Informationen, die ich zu Yoshida im Allgemeinen und Kaigenrei im Besonderen finde, entnehme ich 1ATG und 2Desser. Der Film ist mitunter einer der komplexesten, die ich gesehen habe, und das nicht nur, weil die zentrale Figur Kita Ikki eine schwer greifbare Position einzunehmen scheint, sondern auch weil die historischen Vorgänge in der dargestellten Zeit und die Umstände und Motive, die mutmaßlich zur Entstehung des Films geführt haben müssen, vielschichtig und komplex sind. Aus diesem Grund kann zum Beispiel Desser zu der These gelangen, das die letztendliche Enttäuschung des jungen Soldaten über seinen Sinnstifter emblematisch für die Enttäuschung der Nugeru Bagu Generation über die Älteren steht.
Hinzu kommt noch eine zwischenmenschliche Ebene, in der die Liebe zu Vaterland, (geistigem) Führer, Frau und Kind bis zur Untrennbarkeit miteinander verquickt werden. Abgerundet wird der Cocktail mit großartig irritierenden Bildern und einem ebensolchen Score.
Als Stilmittel befinden sich häufiger Personen im Bild, die nur als stumme Zeugen fungieren, und die die Befremdlichkeit der agierenden Person noch steigern.
... link (0 Kommentare) ... comment
Sonntag, 13. Mai 2007
Chikuzan hitori tabi (1977)
shinji, 02:02h
Armut, unpathetisch erzählt
Tatsächlich erstaunlich, wie es Kaneto Shindô gelingt, über zwei Stunden einen großen Teil der Lebensgeschichte des 1910 geborenen und in früher Kindheit erblindeten Shamisen-Spielers Takahashi Chikuzan zu erzählen, und dabei gleich zwei große Schwierigkeiten des Stoffs zu meistern: die Darstellung der tristen Realität von Hunger, Leid und Armut nicht zu pathetisch, und das Gefangensein in der ewigen Wiederholungsschleife des qualvoll mühseligen Broterwerbs nicht zu eintönig werden zu lassen. Der Film hat deutlich einen nur bedingt dokumentarischen Anspruch, was sich unter anderem auch darin zeigt, dass die Handlung aus vielen kleinen Episoden besteht, die durch die Hauptfigur zusammengehalten werden. Trotzdem wird von der ersten Szene an Wert auf die Vermittlung einer Authentizität gelegt, in der der echte Takahashi Chikuzan in einem authentisch arrangierten Konzertausschnitt zu sehen ist. Der in den 70er Jahren zu spätem Ruhm Gekommene berichtet von den Umständen seiner Erblindung, und spätestens dann, wenn der Mann mit dem markanten Gesicht beginnt, sein Instrument zu spielen, wird es schwer, sich seiner Faszination zu entziehen. Der anschließende Übergang zur Spielhandlung aus seiner Erzählung heraus ist schlicht und elegant. Chikuzan wird auch später noch einige Male als Erzähler in die Handlung montiert, wobei sich immer neue Facetten in seinem Gesicht auftun. Auch wenn es im Film (dem Setting entsprechend, möchte man sagen) nicht an großen Gefühlen und schweren Schicksalsschlägen mangelt, verhindert doch der Humor und die lakonische, dabei sympathische Schlichtheit unseres Helden (und der Erzählung) das Aufkommen von Pathos. Bezeichnend zum Beispiel ein Gespräch mit einem früheren Weggefährten, den er nach Jahren der Wanderschaft wieder trifft:
- Are you still playing the shamisen?
- Actually, I am a bit tired, but I can't live without it.
- Where are you going?
- This is the end of a peninsula. All I can do is going back - or I'll fall into the sea.

Takahashi Chikuzan, der große Shamisen-Spieler, starb im Februar 1998 im Alter von 87 Jahren.
Tatsächlich erstaunlich, wie es Kaneto Shindô gelingt, über zwei Stunden einen großen Teil der Lebensgeschichte des 1910 geborenen und in früher Kindheit erblindeten Shamisen-Spielers Takahashi Chikuzan zu erzählen, und dabei gleich zwei große Schwierigkeiten des Stoffs zu meistern: die Darstellung der tristen Realität von Hunger, Leid und Armut nicht zu pathetisch, und das Gefangensein in der ewigen Wiederholungsschleife des qualvoll mühseligen Broterwerbs nicht zu eintönig werden zu lassen. Der Film hat deutlich einen nur bedingt dokumentarischen Anspruch, was sich unter anderem auch darin zeigt, dass die Handlung aus vielen kleinen Episoden besteht, die durch die Hauptfigur zusammengehalten werden. Trotzdem wird von der ersten Szene an Wert auf die Vermittlung einer Authentizität gelegt, in der der echte Takahashi Chikuzan in einem authentisch arrangierten Konzertausschnitt zu sehen ist. Der in den 70er Jahren zu spätem Ruhm Gekommene berichtet von den Umständen seiner Erblindung, und spätestens dann, wenn der Mann mit dem markanten Gesicht beginnt, sein Instrument zu spielen, wird es schwer, sich seiner Faszination zu entziehen. Der anschließende Übergang zur Spielhandlung aus seiner Erzählung heraus ist schlicht und elegant. Chikuzan wird auch später noch einige Male als Erzähler in die Handlung montiert, wobei sich immer neue Facetten in seinem Gesicht auftun. Auch wenn es im Film (dem Setting entsprechend, möchte man sagen) nicht an großen Gefühlen und schweren Schicksalsschlägen mangelt, verhindert doch der Humor und die lakonische, dabei sympathische Schlichtheit unseres Helden (und der Erzählung) das Aufkommen von Pathos. Bezeichnend zum Beispiel ein Gespräch mit einem früheren Weggefährten, den er nach Jahren der Wanderschaft wieder trifft:
- Are you still playing the shamisen?
- Actually, I am a bit tired, but I can't live without it.
- Where are you going?
- This is the end of a peninsula. All I can do is going back - or I'll fall into the sea.

Takahashi Chikuzan, der große Shamisen-Spieler, starb im Februar 1998 im Alter von 87 Jahren.
... link (0 Kommentare) ... comment
