Mittwoch, 11. Februar 2009
Kaigenrei (1973)
Warum mit dem Schwierigsten anfangen? Vielleicht einfach deshalb, weil es gerade anliegt. Kaigenrei ist der letzte Film in Yoshishige/Kiju Yoshidas Trilogie zu revolutionärem Denken im Japan des 20. Jahrhunderts, und sein letzter für ATG. Der erste ist Erosu purasu Gyakusatsu (Eros plus massacre, 1969), der zweite Rengoku eroica (Heroic Purgatory, 1970).
Die wenigen Informationen, die ich zu Yoshida im Allgemeinen und Kaigenrei im Besonderen finde, entnehme ich 1ATG und 2Desser. Der Film ist mitunter einer der komplexesten, die ich gesehen habe, und das nicht nur, weil die zentrale Figur Kita Ikki eine schwer greifbare Position einzunehmen scheint, sondern auch weil die historischen Vorgänge in der dargestellten Zeit und die Umstände und Motive, die mutmaßlich zur Entstehung des Films geführt haben müssen, vielschichtig und komplex sind. Aus diesem Grund kann zum Beispiel Desser zu der These gelangen, das die letztendliche Enttäuschung des jungen Soldaten über seinen Sinnstifter emblematisch für die Enttäuschung der Nugeru Bagu Generation über die Älteren steht.
Hinzu kommt noch eine zwischenmenschliche Ebene, in der die Liebe zu Vaterland, (geistigem) Führer, Frau und Kind bis zur Untrennbarkeit miteinander verquickt werden. Abgerundet wird der Cocktail mit großartig irritierenden Bildern und einem ebensolchen Score.
Als Stilmittel befinden sich häufiger Personen im Bild, die nur als stumme Zeugen fungieren, und die die Befremdlichkeit der agierenden Person noch steigern.

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Handlung und Perspektive
Knapp zwei Jahre später, der Blog hat seinen Namen nicht verdient. Nicht, dass ich nicht noch immer das (eine Art von) Bedürfnis hätte, meine Eindrücke aus der regelmäßigen Sichtung japanischer Filme zu sortieren, nutzbar zu machen. Aber leider lassen meine persönlichen Umstände die Konstanz nicht zu, die für ein solches Projekt eigentlich erforderlich wäre. Zum Glück ist auch virtuelles Papier geduldig, und unter hoffentlich irgendwann besseren Umständen wird sich hier vielleicht etwas mehr tun.

Kaneto Shindô erläutert im Interview mit Joan Mellen, dass er sich in Onibaba mit der alten Frau (der Mutter) identifiziert. Mellen ist verwundert (ich bin es auch), weil sich die Mutter durch ihr Tun keineswegs als Sympathieträgerin auszeichnet, und am Ende des Films recht unerfreulich bestraft wird. Shindo sieht das Positive: "After her recovery, we, the mother and the director, are ready for the next step into a new world, the stage wich might takes us to a new future".

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