Samstag, 21. Februar 2009
Berlinale, späte Nachlese
shinji, 23:54h
In Anbetracht meiner finanzielle Situation musste ich mich in diesem (wie auch im letzten) Jahr einigermaßen von der Berlinale fern halten. Aber da von zwei Filmen einer ziemlich toll war, hat sich der Einsatz gelohnt. Dongbei, Dongbei - A North Chinese Girl ist das Regiedebüt des chinesischen Regisseurs Zou Peng. Erzählt wird ein Ausschnitt aus dem Leben der 19-jährigen Xiao Xue, die, getrieben von Loyalität zu ihrer Chefin und dem ganz alltäglichen Verlangen nach Liebe, Sex und Geld ihren Weg finden muss. Das Ergebnis dieser Suche ist leicht vorherzusehen, und so kann ich den Kommentar einer älteren Frau, mit der ich mich nach dem Film kurz unterhalten habe, bedingt nachvollziehen: "Jetzt wissen wir also, dass es auch in China solche Früchtchen gibt." Hmja. Aber abgesehen davon, dass dies der relativ neutral aber präzise dargestellten jungen Frau als Person nicht gerecht wird, ist der Plot tatsächlich nicht das, was diesen Film so besonders macht. Das Besondere sind die Bilder, die Zou Peng findet, um Situationen und Beziehungen zwischen den Menschen darzustellen. Ziemlich großartig gleich eine Szene am Anfang.
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Mittwoch, 11. Februar 2009
Kaigenrei (1973)
shinji, 23:27h
Warum mit dem Schwierigsten anfangen? Vielleicht einfach deshalb, weil es gerade anliegt. Kaigenrei ist der letzte Film in Yoshishige/Kiju Yoshidas Trilogie zu revolutionärem Denken im Japan des 20. Jahrhunderts, und sein letzter für ATG. Der erste ist Erosu purasu Gyakusatsu (Eros plus massacre, 1969), der zweite Rengoku eroica (Heroic Purgatory, 1970).
Die wenigen Informationen, die ich zu Yoshida im Allgemeinen und Kaigenrei im Besonderen finde, entnehme ich 1ATG und 2Desser. Der Film ist mitunter einer der komplexesten, die ich gesehen habe, und das nicht nur, weil die zentrale Figur Kita Ikki eine schwer greifbare Position einzunehmen scheint, sondern auch weil die historischen Vorgänge in der dargestellten Zeit und die Umstände und Motive, die mutmaßlich zur Entstehung des Films geführt haben müssen, vielschichtig und komplex sind. Aus diesem Grund kann zum Beispiel Desser zu der These gelangen, das die letztendliche Enttäuschung des jungen Soldaten über seinen Sinnstifter emblematisch für die Enttäuschung der Nugeru Bagu Generation über die Älteren steht.
Hinzu kommt noch eine zwischenmenschliche Ebene, in der die Liebe zu Vaterland, (geistigem) Führer, Frau und Kind bis zur Untrennbarkeit miteinander verquickt werden. Abgerundet wird der Cocktail mit großartig irritierenden Bildern und einem ebensolchen Score.
Als Stilmittel befinden sich häufiger Personen im Bild, die nur als stumme Zeugen fungieren, und die die Befremdlichkeit der agierenden Person noch steigern.
Die wenigen Informationen, die ich zu Yoshida im Allgemeinen und Kaigenrei im Besonderen finde, entnehme ich 1ATG und 2Desser. Der Film ist mitunter einer der komplexesten, die ich gesehen habe, und das nicht nur, weil die zentrale Figur Kita Ikki eine schwer greifbare Position einzunehmen scheint, sondern auch weil die historischen Vorgänge in der dargestellten Zeit und die Umstände und Motive, die mutmaßlich zur Entstehung des Films geführt haben müssen, vielschichtig und komplex sind. Aus diesem Grund kann zum Beispiel Desser zu der These gelangen, das die letztendliche Enttäuschung des jungen Soldaten über seinen Sinnstifter emblematisch für die Enttäuschung der Nugeru Bagu Generation über die Älteren steht.
Hinzu kommt noch eine zwischenmenschliche Ebene, in der die Liebe zu Vaterland, (geistigem) Führer, Frau und Kind bis zur Untrennbarkeit miteinander verquickt werden. Abgerundet wird der Cocktail mit großartig irritierenden Bildern und einem ebensolchen Score.
Als Stilmittel befinden sich häufiger Personen im Bild, die nur als stumme Zeugen fungieren, und die die Befremdlichkeit der agierenden Person noch steigern.
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Handlung und Perspektive
shinji, 21:59h
Knapp zwei Jahre später, der Blog hat seinen Namen nicht verdient. Nicht, dass ich nicht noch immer das (eine Art von) Bedürfnis hätte, meine Eindrücke aus der regelmäßigen Sichtung japanischer Filme zu sortieren, nutzbar zu machen. Aber leider lassen meine persönlichen Umstände die Konstanz nicht zu, die für ein solches Projekt eigentlich erforderlich wäre. Zum Glück ist auch virtuelles Papier geduldig, und unter hoffentlich irgendwann besseren Umständen wird sich hier vielleicht etwas mehr tun.
Kaneto Shindô erläutert im Interview mit Joan Mellen, dass er sich in Onibaba mit der alten Frau (der Mutter) identifiziert. Mellen ist verwundert (ich bin es auch), weil sich die Mutter durch ihr Tun keineswegs als Sympathieträgerin auszeichnet, und am Ende des Films recht unerfreulich bestraft wird. Shindo sieht das Positive: "After her recovery, we, the mother and the director, are ready for the next step into a new world, the stage wich might takes us to a new future".
Kaneto Shindô erläutert im Interview mit Joan Mellen, dass er sich in Onibaba mit der alten Frau (der Mutter) identifiziert. Mellen ist verwundert (ich bin es auch), weil sich die Mutter durch ihr Tun keineswegs als Sympathieträgerin auszeichnet, und am Ende des Films recht unerfreulich bestraft wird. Shindo sieht das Positive: "After her recovery, we, the mother and the director, are ready for the next step into a new world, the stage wich might takes us to a new future".
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Sonntag, 13. Mai 2007
Chikuzan hitori tabi (1977)
shinji, 02:02h
Armut, unpathetisch erzählt
Tatsächlich erstaunlich, wie es Kaneto Shindô gelingt, über zwei Stunden einen großen Teil der Lebensgeschichte des 1910 geborenen und in früher Kindheit erblindeten Shamisen-Spielers Takahashi Chikuzan zu erzählen, und dabei gleich zwei große Schwierigkeiten des Stoffs zu meistern: die Darstellung der tristen Realität von Hunger, Leid und Armut nicht zu pathetisch, und das Gefangensein in der ewigen Wiederholungsschleife des qualvoll mühseligen Broterwerbs nicht zu eintönig werden zu lassen. Der Film hat deutlich einen nur bedingt dokumentarischen Anspruch, was sich unter anderem auch darin zeigt, dass die Handlung aus vielen kleinen Episoden besteht, die durch die Hauptfigur zusammengehalten werden. Trotzdem wird von der ersten Szene an Wert auf die Vermittlung einer Authentizität gelegt, in der der echte Takahashi Chikuzan in einem authentisch arrangierten Konzertausschnitt zu sehen ist. Der in den 70er Jahren zu spätem Ruhm Gekommene berichtet von den Umständen seiner Erblindung, und spätestens dann, wenn der Mann mit dem markanten Gesicht beginnt, sein Instrument zu spielen, wird es schwer, sich seiner Faszination zu entziehen. Der anschließende Übergang zur Spielhandlung aus seiner Erzählung heraus ist schlicht und elegant. Chikuzan wird auch später noch einige Male als Erzähler in die Handlung montiert, wobei sich immer neue Facetten in seinem Gesicht auftun. Auch wenn es im Film (dem Setting entsprechend, möchte man sagen) nicht an großen Gefühlen und schweren Schicksalsschlägen mangelt, verhindert doch der Humor und die lakonische, dabei sympathische Schlichtheit unseres Helden (und der Erzählung) das Aufkommen von Pathos. Bezeichnend zum Beispiel ein Gespräch mit einem früheren Weggefährten, den er nach Jahren der Wanderschaft wieder trifft:
- Are you still playing the shamisen?
- Actually, I am a bit tired, but I can't live without it.
- Where are you going?
- This is the end of a peninsula. All I can do is going back - or I'll fall into the sea.

Takahashi Chikuzan, der große Shamisen-Spieler, starb im Februar 1998 im Alter von 87 Jahren.
Tatsächlich erstaunlich, wie es Kaneto Shindô gelingt, über zwei Stunden einen großen Teil der Lebensgeschichte des 1910 geborenen und in früher Kindheit erblindeten Shamisen-Spielers Takahashi Chikuzan zu erzählen, und dabei gleich zwei große Schwierigkeiten des Stoffs zu meistern: die Darstellung der tristen Realität von Hunger, Leid und Armut nicht zu pathetisch, und das Gefangensein in der ewigen Wiederholungsschleife des qualvoll mühseligen Broterwerbs nicht zu eintönig werden zu lassen. Der Film hat deutlich einen nur bedingt dokumentarischen Anspruch, was sich unter anderem auch darin zeigt, dass die Handlung aus vielen kleinen Episoden besteht, die durch die Hauptfigur zusammengehalten werden. Trotzdem wird von der ersten Szene an Wert auf die Vermittlung einer Authentizität gelegt, in der der echte Takahashi Chikuzan in einem authentisch arrangierten Konzertausschnitt zu sehen ist. Der in den 70er Jahren zu spätem Ruhm Gekommene berichtet von den Umständen seiner Erblindung, und spätestens dann, wenn der Mann mit dem markanten Gesicht beginnt, sein Instrument zu spielen, wird es schwer, sich seiner Faszination zu entziehen. Der anschließende Übergang zur Spielhandlung aus seiner Erzählung heraus ist schlicht und elegant. Chikuzan wird auch später noch einige Male als Erzähler in die Handlung montiert, wobei sich immer neue Facetten in seinem Gesicht auftun. Auch wenn es im Film (dem Setting entsprechend, möchte man sagen) nicht an großen Gefühlen und schweren Schicksalsschlägen mangelt, verhindert doch der Humor und die lakonische, dabei sympathische Schlichtheit unseres Helden (und der Erzählung) das Aufkommen von Pathos. Bezeichnend zum Beispiel ein Gespräch mit einem früheren Weggefährten, den er nach Jahren der Wanderschaft wieder trifft:
- Are you still playing the shamisen?
- Actually, I am a bit tired, but I can't live without it.
- Where are you going?
- This is the end of a peninsula. All I can do is going back - or I'll fall into the sea.

Takahashi Chikuzan, der große Shamisen-Spieler, starb im Februar 1998 im Alter von 87 Jahren.
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Donnerstag, 10. Mai 2007
Hallo. Noch ein Blog?
shinji, 15:18h
Sicher, es gibt bereits eine ganze Menge Informationen zum japanischen Film im Netz, und mit steigernder Tendenz. Das Thema ist schwer im kommen, erfreulicherweise im wachsenden Bewußtsein, dass die Geschichte des japanischen Films noch einiges mehr zu bieten hat als 'Rashomon' (oder Kurosawa im Allgemeinen). Ich bin mir auch im Klaren darüber, dass einige Leute sich weitaus fundierter zum Thema äußern, als ich das werde tun können. Mein Anliegen ist also erst mal ein ganz privates, nämlich für mich einen Ort zu schaffen, an dem ich eigene Gedanken und das Material Anderer sammeln, sortieren und wo möglich sogar in Verbindung setzen kann. Ob daraus ein Filmtagebuch entsteht, das sich ausschließlich an den Inhalten der Filme abarbeitet, wird sich zeigen. Im Vordergrund steht aber sicher erst Mal die Besprechung von japanischen Filmen aus den 40ern, 50ern, 60ern und 70ern. Zur Abgrenzung: ich werde hier nicht Infos zu aktuellen Produktionen oder Action- und Horrorfilmen versammeln, oder DVD-Tipps zu neuen Releases geben (dafür gibt es andere Seiten). Auch klassische Monsterfilme sind gerade nicht mein Focus (siehe hierzu z.B. die umfangreiche Monographie von Jörg Buttgereit, "Die Monsterinsel"). Hier und da kann womöglich schon mal ein Samurai auftauchen. Nichts gegen die Bereiche natürlich, die ich hier nicht anspreche, sind nur eben gerade nicht mein Thema.
Für die Suchmaschinen und als lose Richtlinie könnte ich hier mal Nuberu bagu, Oshima, Seijun Suzuki oder Teshigahara nennen (sorry für inhaltloses Name-dropping, geht auch um Selbstmotivation).
Neben der Absicht, hier eine recht eklektische, oder doch: persönliche Materialsichtung durchzuführen, hoffe ich natürlich auch auf Resonanz. Kommentare willkommen!
Für die Suchmaschinen und als lose Richtlinie könnte ich hier mal Nuberu bagu, Oshima, Seijun Suzuki oder Teshigahara nennen (sorry für inhaltloses Name-dropping, geht auch um Selbstmotivation).
Neben der Absicht, hier eine recht eklektische, oder doch: persönliche Materialsichtung durchzuführen, hoffe ich natürlich auch auf Resonanz. Kommentare willkommen!
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